Die Gemäldefenster im Mariendom

So wie der Mariendom in fünf Etappen gebaut wurde, stammen auch die historisch überaus wertvollen Fenster aus unterschiedlichen Epochen:
Die ältesten Fenster sind in der Votivkapelle erhalten. Die ursprünglichen Fenster des Kapellenkranzes, die 1884 eingebaut worden waren, wurden im Zweiten Weltkrieg so zerstört, dass man sich rund 45 Jahre nach dem Krieg entschloss, neue Fenster nach Entwürfen von Karl Martin Hartmann einzubauen, anstatt die ursprünglichen Fenster nachzubauen. Die Fenster im Presbyterium (Hochchor) wurden um 1885 geschaffen. Die Gemäldefenster im Lang- und Querhaus sowie die Rosettenfenster entstanden zwischen 1913 und 1920, die Fenster in den Turmkapellen erst 1930 bzw. 1934.
Ein großer Teil der mehr als 100 gestalteten Glasfenster bedarf heute einer umfangreichen Restaurierung. Vor allem die Fenster im Bereich des Hochchores und auf der Westseite des Mariendoms weisen zahlreiche Beschädigungen – zum Teil durch Granatsplitter im Zweiten Weltkrieg – auf. Auch Witterungseinflüsse, Abgase, Vogelkot und die Umweltverschmutzung aus fast 150 Jahren Industrialisierung haben den Kunstwerken im Laufe der Zeit zugesetzt. Im Zuge eines Zehn-Jahres-Programmes werden diese 29 reparaturbedürftigen Gemäldefenster bis 2030 restauriert. Den Anfang machen 2021 die Fenster Stift Wilhering und Stift St. Florian im Querschiff sowie das Fenster Sendung des Heiligen Geistes im Hochchor des Mariendoms. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich bis 2030 auf rund 1,5 Mio. Euro.

Was bei der Restaurierung genau passiert, worauf die ExpertInnen der Glasmalerei Stift Schlierbach achten müssen und was den Mariendom zu einem Modellprojekt für die Restaurierung neugotischer Gemäldefenster macht, erfahren Sie hier.

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Fenster #1 – Stift Wilhering

Dieses Fenster aus der westlichen Obergade des Mariendoms wurde vom Stift Wilhering gespendet. Gleich in mehreren Abbildungen wird daher Bezug auf den Zisterzienserorden genommen.
Die beiden Hauptbilder zeigen Szenen aus dem Leben des Hl. Bernhards von Clairvaux. Er war einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens. Als Vorlagen dienten zwei Ölgemälde aus dem Kreuzgang des Stiftes.
Auf den unteren Feldern wird das Stift Wilhering mit der Donau sowie die anschließende Hügelkette des Mühlviertels präsentiert. Links und rechts davon sind der Heilige Robert und der Heilige Stephanus, beide Äbte des Gründerklosters Citeaux, abgebildet. Im Maßwerk sind die Heiligen Gertrud sowie Papst Eugen III. abgebildet, darüber thront Maria mit dem Jesuskind.

Foto © www.kunstverlag-peda.de

Fenster #2 – Die Sendung des Hl. Geistes

Dieses Fenster, auch Pfingstfenster genannt, zeigt eine monumentale Szene: Die zwölf Apostel sind im Abendmahlsaal versammelt und in ihrer Mitte thront Maria. Sie breitet wie die Apostel die Arme aus, um die Sendung des Heiligen Geistes zu erwarten. Als Vorbild für diese Geistsendung wurde die Gesetzgebung auf dem Berg Sinai gewählt.
Auf den unteren Feldern werden Szenen aus der zweiten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683 gezeigt. Ein Vorfahre des Spenders Fürst Camillo Starhemberg war damals als Verteidiger von Wien in den Kampf gezogen. Das Wappen der Familie Starhemberg ist auch im Maßwerk abgebildet.
Das Gemäldefenster ist im Hochchor des Mariendoms positioniert und noch im Originalzustand aus dem Jahr 1885 erhalten.

Foto © www.kunstverlag-peda.de

Fenster #3 – Stift St. Florian

Das Stift St. Florian hat dieses Fenster – es befindet sich im Querschiff des Mariendoms –gespendet. Es zeigt das Martyrium des Heiligen Florian und seiner Gefährten sowie die Entstehungsgeschichte des Stiftes. Am oberen Bild ist der Heilige Florian zu sehen, wie er von der mächtigen Steinbrücke in die Enns gestürzt wird. Im Mittelbild erkennt man seinen Leichnam am Ufer des Flusses. Das untere Fensterfeld zeigt, wie der Heilige der frommen Frau Valeria erscheint, die den Auftrag bekommen hat, ihn zu bergen und beizusetzen.
Alle dargestellten Personen tragen die Gesichtszüge von Chorherren des Stiftes St. Florian.

Foto © www.kunstverlag-peda.de